Die Gartengruppe

Seit 27 Jahren „Außenstelle" des Club 29 am Weiherweg

Scannen0042Scannen0044„Machen Sie das, es ist gut für Sie!" Renate Herrmann hat diese Aufforderung von Herbert Huber noch immer im Ohr, wenn sie die Anfänge des Weiherwegs zurückdenkt. Mit der Aufforderung, ein Beet anzulegen, begann für sie die Zeit am Weiherweg. Der Erinnerung nach schrieb man das Jahr 1982. Demnach besteht die Gartengruppe des Club 29 ebenfalls 27 Jahre!
Klaus und Martin, „Männer der Ersten Stunde", gingen erst einmal daran, die verwilderte Wiese mit Sensen zu mähen. Es war ein ehrgeiziges Unternehmen für jemanden, der so ein Arbeitsgerät zum erstenmal in die Hand nahm. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis es ihnen gelang, ohne dass sich die Sensenspitze bei jedem Schwung ins Erdreich bohrte.

Andere Patienten und Angehörige nahmen so nach und nach Schaufel und Spaten zur Hand, manche zum erstenmal. Begeisterung war bei keinem zu spüren, man machte halt, „weil Herr Huber (damals unser Therapeut) es so wollte!" Er war es auch, der von biologischem Gemüse, von Mischkulturen, von Hügelbeeten und Brennnesseljauche sprach. Alles Begriffe aus dieser für uns so neuen Biobewegung. Wir belächelten diese „Kohlrabiapostel" und waren eher belustigt bei dem Gedanken, dass wir es ebenso machen sollten.

 

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Doch im nächsten Frühjahr glich dieser jahrelang ungepflegte Garten einer Großbaustelle. Die neuen Beetbesitzer machten sich daran, Hügelbeete anzulegen. Jeder war mit Eifer bei der Sache, ohne jedoch die Nachbarn aus dem Auge zu lassen. Alte Äste, Reisig, Laub, Grassoden, Mist und Mutterboden waren begehrt für den fachgerechten Aufbau der Beete. Der Schreiber dieser Zeilen hatte im Überschwang der neu gewonnenen Abstinenz die Ausmaße dieses Hügelbeetes etwas zu groß dimensioniert. Der Blick auf sein Werk war für ihn lange eine Mahnung zu mehr Bescheidenheit.

Ein erster Maibaum wurde aufgestellt. Um die alkoholfreie Geselligkeit zu fördern, verkauften wir schließlich Getränke. Immer wieder einmal brachte eine der Frauen einen Kuchen mit. Die Fachambulanz der Caritas organisierte ein erstes Sommerfest und die Leute der Gartengruppe halfen beim Verkauf der Kuchenspenden und der Getränke. Jeder nahm seine Aufgabe ernst und gab sich Mühe. Daraus entwickelte sich eine zuverlässige Bewirtschaftung, die seit jeher von uns ehrenamtlich durchgeführt wird. Wir bezahlen jedes Getränk und jede Speise, egal ob wir bei Festen mitarbeiten oder unsere normalen Dienste ableisten. Zu unser aller Erstaunen funktioniert dieses System seit vielen Jahren. So erwuchs daraus eine gegenseitige Wertschätzung, die auch heute noch die Gruppe miteinander verbindet.

 

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Der Garten war immer wieder ein Ort, um Neues auszuprobieren. Es gab Schafe, Ziegen, Hasen, Gänse und Enten. Wer wollte, konnte auch „Hühneraktionär" werden und war anteilsmäßig an den Eiern beteiligt! Sogar eine Pilzzucht auf Strohballen gab es. Hans Maier kümmert sich seit langem um den Schnitt und die Pflege der Obstbäume. Der Baumbestand war veraltet und der Ertrag gering. Also machten wir eine Spendenaktion. Gerne kaufte jeder einen Baum. Es war schon ein schmeichelhafter Gedanke, nach dem unsere Kinder schon geboren waren, nun auch noch einen Baum zu pflanzen, um so dem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Es blieb nur noch das Buch zu schreiben, um nach der Vorstellung der alten Chinesen zu einem erfüllten Leben zu gelangen.

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Die Idee vom selbstgebackenen Brot war bei den „Alternativen" Mode geworden. So machten wir uns daran, eine Kombination von Backofen und Grill zu bauen. Den Versuch, Brot zu backen, gaben wir auf, weil der Ofen zu schnell die Hitze verlor. Also probierten wir es mit Pizzabacken. Die ersten Ergebnisse waren nicht ermunternd. Unsere Gruppenmitglieder mussten des Öfteren als Testpersonen unsere Ergebnisse verkosten, rein dienstlich sozusagen. Ihre Beurteilung und Kritik versuchten wir beim nächsten mal zu berücksichtigen und umzusetzen. Seit wir bei den Clubfesten Pizza backen, sind diese auch zum Hit geworden. Das Besondere ist sicher, dass sie vor den Augen der Gäste in Handarbeit mit viel Liebe zubereitet werden.

Das Grillen war nun mit dem gemauerten Grill einfacher und vor allem sicherer geworden Scannen0075
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Wir haben Steaks selbst und unter großem Aufwand mariniert, als es diese in den Geschäften noch gar nicht zu kaufen gab. Unsere selbstgebackenen Dinkelsemmeln werden als Besonderheit geschätzt. Viele Besucher und Gäste schätzen unsere Speisen und kommen auch deshalb gerne zu den Festen amWeiherweg. Unser neuestes Produkt ist der selbstgepresste Saft aus den Äpfeln des Gartens.

 

 

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Seit das nebenstehende Haus von der Caritas verkauft wurde, sind wir räumlich sehr beschränkt, da wir nur noch den Verkaufskiosk zur Verfügung haben. Bis dahin konnten wir das Untergeschoss für uns nutzen. In dieser Zeit hat sich die Gruppe auch im Winter monatlich im Haus am Weiherweg getroffen, zusammen gekocht und gegessen. Ostereier färben am Karfreitag war für uns und die Kinder ein fester Termin. Die Kinder sind inzwischen groß und gehen eigene Wege.

Zwischen erstem Mai und Ende September ist der Freizeit- und Familiengarten jedes Wochenende und an Feiertagen geöffnet. Jedes Gartengruppenmitglied übernimmt somit 5-6 ehrenamtliche Bewirtschaftungsdienste pro Jahr. Drei Feste werden in gemeinsamer Arbeit ausgerichtet, das Maibaum-, das Sommer- und das alternative Oktoberfest. Dabei hat jeder von uns seine Rolle gefunden, ohne dass das innere Gefüge der Gruppe starr wurde. Mit dem alternativen Oktoberfest endet die Saison.

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Seit Jahren fährt die Gartengruppe im Oktober und zum Jahreswechsel auf eine unserer Hütten. Diese Aufenthalte haben den Zweck, das Gefühl der Zusammengehörigkeit während der Zeit der Winterruhe im Garten zu erhalten. Wir verbringen dort erholsame Tage mit Spazieren gehen, Spielen, gemeinsames Kochen und Essen.

Dabei bleibt einem natürlich der Zustand der Hütten nicht verborgen. So wurden gelegentlich kleinere Reparaturen von uns durchgeführt. Inzwischen sind daraus Arbeitseinsätze geworden, mit denen wir zum Ausbau und zur Verschönerung beitragen.

Damit sind wir auch bei der Gegenwart angelangt. Aus der langen Zugehörigkeit Einzelner ist auch eine besondere Bindung zum Club 29 entstanden. Auch wenn die Gartengruppe manchmal sozusagen als „Außenstelle" unseres Vereins angesehen wird, sind wir nah am Geschehen. Nicht nur mit der Arbeit an den Hütten haben wir neue Aufgaben übernommen. Zwei Mitglieder sind auch in der Vereinsführung vertreten und haben dort weitere Tätigkeitsbereiche übernommen. Möglich ist dies allerdings nur, weil beide keine beruflichen Verpflichtungen mehr haben.
So ganz nebenbei sind wir auch gemeinsam siebenundzwanzig Jahre älter geworden, nur haben wir es nicht so bewusst wahrgenommen. Dazu war es im Umfeld des Club 29 zu interessant und abwechslungsreich. Wer hätte sich damals gedacht, dass ein abstinentes Leben so reizvoll sein kann!

Verstärkt wollen wir nun um neue Mitglieder werben, um unsere Gartengruppe wieder zu verjüngen. Wer Abstinenz anstrebt, dem können wir eine stabile und belastbare Gruppe anbieten, in der Geselligkeit und Humor nicht zu kurz kommen.
Wie hieß es am Anfang? „Machen Sie das, es ist gut für Sie!"

Karl Gruner

 

Mit freundlicher Unterstützung

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